Beratungen bei Klassifizierung / Foto: Sergiu Borcuta

Klassifizierung bei E-Rolli Fußball

Im Rahmen des 4 Nationen Turnier in Sevenoaks/England erhielt unser Nationalteam zum ersten Mal einen Einblick in die Klassifizierung der SpielerInnen bei E-Rolli Fußball.

Klassifizierung wird uns erklärt / Foto: Sergiu Borcuta
Klassifizierung wird uns erklärt / Foto: Sergiu Borcuta

Was ist Klassifizierung und wofür ist sie?

In einem mehrstufigen Verfahren werden SpielerInnen auf die Behinderung und dessen körperliche Auswirkung auf die Leistung bei E-Rolli Fußball eingestuft.

Ziel ist es, mit der Klassifizierung eine Grundlage für ein faires Spiel zu schaffen. Innerhalb darin können sich die SpielerInnen mit taktischen Wissen, Können und Spielweisen messen und dabei sportlich auf hohen Niveau tolle Matches liefern. “Speedtests und Klassifizierung sind neue Erfahrungen für uns und sollen den Sport fairer machen und werden auch in Österreich für die Liga notwendig sein”, ist sich Michael Kiefler sicher.

Als Minimalanforderung gilt, dass E-Rolli Fußball nur von SpielerInnen gespielt werden darf, die für die Ausübung des Sports einen elektrischen Rollstuhl benötigen.

Klassifizierung / Foto: Sergiu Borcuta
Klassifizierung / Foto: Sergiu Borcuta

Es gibt zwei Klassifizierungsstufen:

Die Stufen heißen PF1 und PF2 (“PF” steht für “Powerchair Football”)

  • PF1: Die Spielerin/der Spieler hat hohe körperliche Einschränkungen, die sich auf die Gesamtleistung auf körperlicher Ebene auswirkt.
  • PF2: Die Spielerin/der Spieler weist auf leichte, mittelmäßige körperliche Einschränkungen, die sich auf die Gesamtleistung auf körperlicher Ebene auswirkt. Die Person erfüllt aber noch immer die Minimalanforderung.

In einem internationalen Spiel darf laut Regeln jedes Team maximal zwei PF2 SpielerInnen gleichzeitig auf dem Spielfeld einsetzen. Das heißt, folgende Aufstellungen sind beispielsweise im Spiel erlaubt:

  • 2 x PF2 SpielerInnen und 2x PF1 SpielerInnen,
  • 1 x PF2 SpielerInnen und 3x PF1 SpielerInnen oder
  • 4 x PF1 SpielerInnen

Wie werden SpielerInnen klassifiziert?

Die Klassifizierung wird von einem dafür ausgebildeten Team durchgeführt. Da während dem 4 Nationen Turnier diesbezüglich ein Kurs  stattfand, war es gleich für beide Seiten eine neue Erfahrung.

Die Spielerin oder der Spieler hat die Möglichkeit, eine Vertrauensperson zur Klassifizierung als Unterstützung (z.B. für Übersetzung der Sprache und zur emotionalen Unterstützung) mitzunehmen.

Klassifizierung: Krafttest / Foto: Sergiu Borcuta
Klassifizierung: Krafttest / Foto: Sergiu Borcuta

Zu Beginn beantwortet die Spielerin oder der Spieler verschiedene Fragen zu dem Gesundheitszustand. Gegendruck-Übungen zur Einstufung der Muskelkräfte, die bei E-Rolli Fußball benötigt werden, werden ebenso durchgeführt, wie die Erkennung von Farben und das Testen des Blickwinkels.

Am Ende des Verfahrens folgen noch Übungen aus der Training-Praxis wie Slalom-Fahren oder Ball seitlich passen. Dabei werden die Reaktionsfähigkeit und die körperliche Stabilität während dem Fahren beobachtet. Dieses Video zeigt, wie dies in der Praxis aussieht:

Alle Antworten werden im Computer in einem eigenem Tool festgehalten und mittels einem Punkte-Schema wird eine Klassifizierungsstufe vorgeschlagen. Bevor das Ergebnis der Spielerin oder dem Spieler vermittelt wird, bespricht das Team noch kurz die einzelnen Ergebnisse.

Unser erstes Mal

Wir Spielerinnen und Spieler aus Österreich wurden alle zum ersten Mal eingestuft. “Es war spannend das erste Mal die Klassifizierung durchzumachen”, meint etwa Jasna Puskaric.

Wir hatten vor unserer ersten Klassifizierung den Status “New”. Nach der Klassfizierung bekamen wir den Status “Review” zugewiesen, das bedeutet, dass sich die Einstufung bei einer neuerlichen Klassifizierung vor einem Wettbewerb wieder ändern kann.

Es gibt noch einen dritten Status: “Confirmed”. Dieser wird vom Team vergeben, wenn die Einstufung nach mehreren Klassifizierungsverfahren sich nicht mehr ändern wird.

Klassifizierung: Welche Farbe? / Foto: Sergiu Borcuta
Klassifizierung: Ist die Farbe noch erkennbar? / Foto: Sergiu Borcuta

Kritik an dem Klassifizierungsverfahren

Wo liegen Deine Stärken? Wie fest kannst Du Deine Hand zudrücken? Wie weit kannst Du Dich nach vorne beugen? … Die Klassifizierung soll nicht auf zeigen, wo die Defizite liegen, sondern auf das was Du gut kannst. Trotzdem kann es einem emotional treffen.

Fragen rund um den Gesundheitszustand u. das Anfassen des eigenen Körpers durch fremde Menschen, können einem an (damals unerfreuliche) Arztbesuche erinnern. Zudem ist nicht immer eine Trennung von körperlichen Komponenten eine gute Lösung.

Hier ein Beispiel von mir: Während ich dem Team hinwies, dass ich durch meine Hörbehinderung Geräusche von hinten nicht wahrnehmen kann, war das Testen des maximalen Blickwinkels nur auf die Augen und körperliche Beweglichkeit eingegrenzt.

Dies zeigt deutlich, dass Klassifizierungsverfahren nie ganzheitlich individuell für die Vielfalt unserer verschiedener Körper ausgerichtet sein können und daher beschränkt sind.